Keine Angst, das wird hier jetzt kein Beitrag ob Bloggen noch eine Zukunft hat oder WordPress doof ist. Hier geht es um mein ganz persönliches Verhältnis zum Bloggen.
Unter meiner damaligen Mastodon-Instanz betrieb ich auch ein Blog. Schon damals schrieb ich, dass sich meine Beziehung zum Schreiben verändert hat und ich immer weniger Lust habe, längere Blogartikel zu schreiben.
Meine ersten „Blogs” habe ich betrieben, als es WordPress noch gar nicht gab. Das war alles HTML in mühevoller Handarbeit. Es hat mir unfassbar viel Spaß gemacht, auch später, als ich mit Foren weitergemacht habe, die dann zunehmend von WordPress und Co. verdrängt wurden.
Die Hochzeiten der Foren und später Blogs sind schon lange vorbei. Und wenn man es etwas weiter fasst, die Humanisierung des Internets auch. KI-erzeugte Inhalte dominieren das, was viele für das Internet halten. Eingesperrt in den Silos von US-Tech-Firmen, in Apps, die vortäuschen, das Internet zu sein. In der EU müssen Inhalte, die mit KI erzeugt wurden, mittlerweile gekennzeichnet werden. Meiner Meinung nach bräuchte es eigentlich ein zuverlässiges Label für von Menschen erzeugte Inhalte. Aus der flächendeckenden Humanisierung des Internets, an die man damals glaubte, ist leider nichts geworden.
Aber ich gehöre jetzt nicht zu den Menschen, die irgendwie den Untergang des Abendlandes sehen und alten Zeiten hinterhertrauern. Es gibt immer noch Blogs und es gibt auch immer noch Foren. Nur das mit der Auffindbarkeit wird immer schwieriger.
Ich bin irgendwie ein Freund von Microblogs. Ich brauche oft nicht das, was viele Blogger und Bloggerinnen sehr häufig beschreiben: das Blog als eine Art öffentliches Tagebuch, um Erlebnisse festzuhalten, zu reflektieren und persönliche Entwicklungen in der Retrospektive für sich sichtbar zu machen. Oder auch, durch Schreiben, seine Gedanken zu ordnen. Im Prinzip mache ich das ja auch, nur ist mir das wahrscheinlich nicht immer so bewusst.
Am liebsten mag ich eine Kombi aus Microblogging und Long-Form Content und ab hier kreisen so ein bisschen meine Gedanken.
Ja, das geht auch alles mit WordPress. Es gibt viele Blogger:innen, die einen extra Bereich für z.B. Notizen eingerichtet haben. Das muss eigentlich gar nicht sein, wenn man selber festlegen kann, was Textauszug und Beitrag ist. Dazu noch einen separaten Feed, fertig. Mit dem Twenty Twenty-Five Theme von WordPress ist das alles kein Problem.
Trotzdem stelle ich mir natürlich die Frage, wie praktikabel das alles ist, besonders vor dem Hintergrund, dass Suchmaschinen kaum noch Besucher bringen und „Google Zero“ eigentlich vor der Tür steht? Warum brauche ich ein Blog mit Kommentarsystem, wenn keine Besucher mehr kommen. Warum statte ich ein schon von Haus aus nicht gerade leichtgewichtiges System im übertragenen Sinne mit noch mehr Gewicht aus, indem ich es ins Fediverse bringe? Nicht falsch verstehen, ich finde das super, aber auch schwierig.
Ich bin noch jemand, der Websites über den Browser besucht, auch wenn ich die RSS-Feeds abonniert habe. Nur wer mach das denn noch? Auf jeden Fall Scraper und KI-Bots.
Die Website spielt eigentlich keine Rolle mehr. Mittlerweile gibt es sogar einen Dienst, mit dem man Text nur an Abonnenten eines RSS-Feeds senden kann, ganz ohne Website. Das war damals tatsächlich mal eine Idee von mir.
Warum nutze ich zum Beispiel nicht ausschließlich GoToSocial? Mit jeder App kompatibel, die ActivityPub spricht, unterstützt Markdown mit 5000 Zeichen und RSS. Und Text ist auch im Web zu lesen, kommentieren geht allerdings nur im Fediverse. Warum soll ich eigentlich noch ein WordPress-Blog aufrechterhalten? Das ist das, mit dem ich mich momentan auseinandersetze.
Und der Punkt Nachhaltigkeit kommt für mich auch nicht in Frage. Ich habe zahlreiche Blogs im Internet betrieben und auch gnadenlos gelöscht.

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