ÖRR: Aus Angst vor dem Zuschauer ins Belanglose

Ich habe mich immer wieder gefragt, warum das deutsche Fernsehprogramm auf mich so unfassbar einschläfernd wirkt. Ein Artikel der taz gibt mir ein Stück weit die Antwort darauf.

Ich bin ein großer Fan von britischen, skandinavischen und US-amerikanischen Produktionen der unterschiedlichsten Genres. Im Vergleich dazu habe ich bei deutschen Fernsehproduktionen oft das Gefühl, dass es uns an guten Drehbuchautorinnen und Autoren fehlt.

Dass das nicht stimmen kann, wird durch die Masse an langweiligen, ermüdenden und tiefenlosen TV-Produktionen immer wieder deutlich. Da muss es ein anderes Problem geben.

Ich habe mir das immer so erklärt, das deutsche Drehbuchautor:innen durchaus in der Lage sind spannende Geschichten mit viel Tiefe und interessanten Charakteren zu entwickeln, sich das aber nicht verkaufen lässt.

Komme ich mit komplexeren Geschichten an, lächeln die Pro­du­zen­t:in­nen meist nur müde. „So was kann ich den Sendern gerade nicht anbieten.“

Ein Artikel der taz bestätigt mir nun, dass ich mit meinem Erklärungsmodell gar nicht so falsch lag. Quotenfixierung und vorauseilender Gehorsam sind mitverantwortlich dafür, dass unser Programm so aussieht, wie es aussieht. Zudem hat der ÖRR die Budgets für das fiktionale Programm massiv gekürzt.

Komplexere, gesellschaftskritische Stoffe haben kaum noch eine Chance. Auch aus Angst vor schlechten Quoten und Shitstorms. Dem Zuschauer soll es nicht unbequem auf seiner Couch werden. Da produziert und finanziert man lieber das tausendste Krimiformat, bei dem einen die Füße einschlafen.

Für mich versagt der ÖRR hier auf ganzer Linie. Aus Angst vor dem Zuschauer und vor dem Hintergrund der AfD-Erfolge, wie auch der Diskussion darüber, den ÖRR zu verkleinern, setzt man lieber auf Krimis, Events, Happyends und Eskapismus. Was für ein Trauerspiel.

Ich möchte einfach wieder diese Filmmomente erleben, in denen man etwas Zeit braucht, um langsam aus der Story wieder rauszukommen, da sie einen wirklich berührt hat. Erzählungen, über die man auch später noch nachdenkt, wenn der Fernseher schon lange aus ist.

Und wenn ihr euch mal wieder über das Fernsehprogramm ärgern solltet, denkt bitte daran: Es liegt nicht an den Autor:innen.

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