Runde Ecken, knallige Farben soweit das Auge reicht. Mastodon 5.0 ist der Tagtraum eines Kaugummi-Automaten aus dem Jahr 1974.
Zum zehnjährigen Bestehen von Mastodon erscheint bald Version 5.0 mit einer grundlegenden UI-Überarbeitung, die es wirklich in sich hat.
Meiner Meinung nach ist die positivste Änderung das Schreiben selbst. Der bisher in die linke Seitenleiste eingebettete Editor wird durch einen Pop-out-Composer ersetzt und wandert nach unten in die Mitte. Auch viele Navigationselemente wurden neu angeordnet, um Neuankömmlinge nicht gleich mit Optionen zu überfordern. Das gefällt mir als langjährigem Nutzer zwar nicht so gut, aber damit kann ich leben. Es gibt jedoch etwas, mit dem ich auf keinen Fall leben kann, und das ist das Design an sich.
Ich fand es persönlich schon immer etwas befremdlich, Menschen mit Mustern auf Hemden zu sehen, die früher bei uns als Tapete an der Wand hingen. Als eine sehr große Errungenschaft erlebte ich damals den Fortschritt in der Optik: Endlich musste ich keine Brille mehr tragen, die mein halbes Gesicht verdeckte. Heute setzen sich viele Menschen solche Brillen freiwillig auf. Und das ist auch vollkommen okay. Für junge Menschen ist das Retro-Look, für mich gelebte Vergangenheit.
Das neue, rundliche Bonbondesign bei Mastodon 5 finde ich einfach nur schrecklich. Es erinnert mich an Prilblumen, die eine Zeit lang an den Kacheln der Küche meiner Eltern klebten. An die knalligen Farbkompositionen dieser Zeit, die nach den eher braun-beigen Alpträumen konservativer Wohnzimmer auf dem Vormarsch waren.
Das mit den Farbdesigns kann man natürlich so machen, aber dann sollte man Menschen auch die Möglichkeit geben, die das nicht mögen, das alte Design zu behalten. Aber das ist anscheinend nicht vorgesehen. Ich habe neben meiner eigenen Instanz einen Account auf mastodon.online. Dort kann man immer die aktuellen Entwicklungen verfolgen.
Man fokussiert sich im Prinzip etwas mehr auf Neuankömmlinge. Mehr Einfachheit und Quitschibund sollen den Einstieg in was erleichtern? In das Fediverse oder in Mastodon als Dienst?
Man macht so gesehen nichts falsch, denn das Design findet man mittlerweile überall. Auch Browser folgen diesem anachronistischen Alptraum, der anscheinend wieder total „in“ ist. Wie fürchterlich!
Ich frage mich allerdings, ob man seine Community wirklich kennt. Da werden sich jetzt nicht aufgrund der Farbgebung massenhaft Menschen für Mastodon als Zugang zum Fediverse entscheiden, da sie gar nicht das finden werden, was sie von ihren Dopaminplattformen gewohnt sind. Es gibt aber viele Menschen, die sich bewusst für das Fediverse und Mastodon als Dienst entschieden haben. Und denen sollte man zumindest von der Farbgebung her das alte Design lassen.
Ich bin seit 2018 im Fediverse aktiv. Eigentlich schon etwas früher, aber da war ich nur stiller Beobachter. Ich habe fast jeden Dienst auch mal als Admin gesehen, bin aber immer zu Mastodon zurückgekehrt, da es für mich am besten passte. Natürlich nicht mit einer 500-Zeichen-Begrenzung, von daher immer als eigene Instanz mit mehr Zeichen und auch mit Markdown.
Es würde mich sehr traurig machen, wenn es keine Möglichkeit geben würde, diesen für mich schrecklichen Farbalptraum nutzen zu müssen. Das wäre definitiv das Ende meiner Instanz. Ich hoffe ja, dass Mastodon-Glitch das alte Theme zurückbringen wird. Sollte das nicht der Fall sein, war es das für mich mit Mastodon. Wirklich schade. Seit 2018 immer wieder meine Heimat, aber damit möchte ich nicht leben. Dann lieber eine sehr ressourcenschonende GoToSocial-Instanz.
Quelle: https://blog.joinmastodon.org/2026/10/5.0-a-closer-look/
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