Ich bin der ehemalige Betreiber der Mastodon-Instanz Fedispace.de. Erst vor Kurzem bin ich wieder auf einen Gemeinschaftsserver umgezogen, da mir die lokale Timeline, die es bei einer Single-User-Instanz nicht gibt, immer gefehlt hat.
Mit der Instanz verbunden war auch ein Blog, das unter einer Subdomain lief. Das hätte ich natürlich weiterbetreiben können, aber so ganz allein unter einer Subdomain und ohne echten Bezug zur Hauptdomain fand ich das nicht so schön. Zudem fehlte mir auch die Motivation, längere Blogbeiträge zu schreiben. Deshalb entschied ich mich dagegen.
Ich schreibe mein halbes Leben lang Dinge in das Internet und kenne natürlich die Höhen und Tiefen, aber auch unfassbar viel Blogging-Software und Stacks zum Publizieren.
Ich war einer dieser Blogger, die WordPress seit dem Einzug von Projekt Gutenberg durch die Bank weg kritisiert haben. Und das war und ist an vielen Stellen sicherlich auch berechtigt, aber eben nicht grundsätzlich. Auch wenn ich irgendwann meinen Frieden mit WP, dem Konzept und dem Blockeditor gemacht habe, wählte ich für den Neustart die vergleichsweise neue, auf PHP basierende Blogging-Software Pure Blog aus.
Entwickelt wurde sie von Kev Quirk, der ein einfaches Content-Management-System suchte, aber keines fand, das seinen Ansprüchen entsprach. Pure Blog ist bewusst schlicht gehalten, um die wesentlichen Funktionen eines Blogs zu bieten, aber eben ohne den ganzen Ballast anderer Systeme. Und das ist Kev wirklich gelungen.
Pure Blog konzentriert sich auf das Wesentliche
Pure Blog benötigt keine Datenbank, ist sehr leichtgewichtig und ressourcenschonend, lenkt den Fokus auf das Wesentliche und lässt sich mit PHP- und CSS-Kenntnissen recht einfach erweitern und an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Im Prinzip ist das System in unter fünf Minuten installiert und man kann loslegen. Zusätzlich lässt sich auch ein einfaches Kommentarsystem einbinden, das ebenfalls von Kevin Quirk entwickelt wurde und auf dem heimischen Webspace läuft. Im Prinzip braucht man nicht mehr zum Bloggen, denn Pure Blog ist wirklich klasse.
Warum also WordPress?
Für mich persönlich ist WordPress komplett überladen, aber es gibt einen für mich wichtigen Punkt: die Anbindung an das Fediverse.
Das funktioniert auf unterschiedlichen Wegen auch mit Pure Blog, nur ist das Blog dabei nie die Instanz selbst. Man benötigt entweder einen Account auf einer Fediverse-Instanz oder einen Drittanbieter-Dienst für Webmentions wie z. B. webmention.io. Natürlich kann man sich auch selbst etwas bauen, nur das kann recht aufwändig sein. Ein Beispiel für so eine Integration findet man z.B. hier.
Solange ich noch meine Mastodon-Single-User-Instanz betrieb, sah ich für mich keinen Sinn darin, das Activity-Plugin für WordPress zu installieren. Ich legte für das Blog einfach einen Account auf meiner Instanz an und crosspostete Blogbeiträge. Das könnte ich auf einem Gemeinschaftsserver natürlich auch weiterhin so handhaben. Nur wäre das Blog im Fediverse dann nicht ganz unabhängig. Mit dem Activity-Plugin hingegen ist das Blog eine eigene Instanz, der man folgen und mit der man über ein Handle interagieren kann. Das halte ich angesichts dessen, was Google auf seiner I/O 2026 alles so angekündigt hat, für sinnvoll. Denn die Suche, so wie wir sie kennen, wird von Google sprichwörtlich beerdigt. Schon länger bringt die Suchmaschine kaum noch Besucher und was da auf uns zurollt, lässt uns Blogger praktisch unsichtbar werden.
Jetzt erst recht
Hey, im Untergrund kann es auch schön sein. Wir sollten alle Möglichkeiten nutzen, die uns das freie Internet noch bietet. Angefangen von RSS über Blogringe und Verzeichnisse bis hin zum Fediverse und dem IndieWeb. Wir können auf diese „Tech-Feudalisten” scheißen und beide Mittelfinger in Richtung USA und Silicon Valley ausstrecken.
Eigentlich wollte ich mit dem Bloggen aufhören, aber bei diesem ganzen KI-Müll ist es wichtig, das es noch Räume gibt, die von Menschen gestaltete werden.
Mein kleines Blog hier verändert überhaupt nichts, gibt mir aber Selbstwirksamkeit zurück und das ist auch kein schlechtes Gefühl.
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