Windows 11: Zum aus dem Fenster springen

Neulich saß ich wieder an einem Rechner mit einer Windows 11 Installation. Was einem da an Werbung entgegenspringt, ist einfach nur zum Abgewöhnen. Im Startmenü wird z.B. für Microsoft Apps geworben, in der Kategorie System wirbt man für Microsoft 365 und dann sind da noch diese Windows Widgets, die hauptsächlich Boulevard-Trash aus dem Microsoft Network MSN anzeigen. Beim Anklicken eines Widgets wird immer der Spy Edge-Browser geöffnet, unabhängig davon, welcher Standard-Browser installiert ist. Zum Thema Windows Widgets empfehle ich einen Beitrag von Clickomania.

Die üble Form von sharing is caring

Neugierig war Windows schon immer, nur mit Version 11 wird anscheinend auch die Neugier vieler anderer Dienste befriedigt. Laut PC-Security-Channel sendet Windows 11 erstaunliche Datenmengen an Server von Erst- und Drittanbietern, ohne aktive Zustimmung und bereits vor der ersten Installation von Programmen. Einige Dienste sammeln ausschließlich Daten, um sie wahrscheinlich an Werbetreibende zu verkaufen. Dies ist ein ziemlich beunruhigendes Bild eines Unternehmens, das versucht, seine Kunden so weit wie möglich zu monetarisieren. Und das, obwohl man als Nutzer für den Erwerb einer legalen Lizenz bezahlen muss. Außerdem scheint Microsoft immer mehr Dienste in die Cloud auslagern zu wollen. Im schlimmsten Fall hat man irgendwann ein reines SaaS (Software as a Service) Betriebssystem. Hinzu kommt, dass sich Windows 11 auf älteren Rechnern ohne TPM (Trusted Platform Module) gar nicht installieren lassen will, es sei denn, man trickst etwas. Ich will daraus jetzt nichts ableiten, aber über TPM könnte Microsoft regeln, aus welchen Quellen Software installiert werden darf und aus welchen nicht. Die Datensammelwut, vor allem in Verbindung mit Microsoft-Cloud-Diensten, ist schlichtweg erschreckend.

Der Support für Windows 10 endet im Oktober 2025.

Für mich ist das ein großes Problem, da ich Windows als Betriebssystem für die Audioproduktion verwende. Natürlich würde das auch mit Windows 11 funktionieren, aber ich habe die Nase gestrichen voll.

Schon unter Windows 10 ist das manchmal nervig, weil unglaublich viele Prozesse im Hintergrund laufen, die sich auf die Latenz bei der Echtzeit-Audioproduktion auswirken. Dem kann man entgegenwirken, indem man unnötige Prozesse abschaltet, Energiesparoptionen deaktiviert und vieles mehr. Dies ist oft mit viel Konfigurationsaufwand verbunden und trotzdem findet dann im Hintergrund immer noch ein reger Austausch mit den Micosoft-Servern statt.

Früher hat man sich damit beholfen, den Produktionsrechner komplett vom Internet zu trennen und Updates über externe Medien einzuspielen. Das ist heute kaum noch möglich. Die meisten kommerziellen VST-Plugins lassen sich oft nur noch online aktualisieren. Auch die Überprüfung auf Gültigkeit einer Lizenz erfolgt meist online, da nicht jede Software iLok unterstützt. Und wer schon mal einen iLok-Dongle verloren hat, der will vielleicht auch nur noch online. 🙃

Wenn ich mir anschaue, was mit Windows 11 auf mich zukommt, kann ich nur sagen: Nö, einfach nur nö. Noch mehr Prozesse im Hintergrund, die man zum Schweigen bringen muss. Es stellt sich auch die Frage, inwieweit das mit den Diensten funktioniert, die wohlmöglich ausschließlich Daten sammeln, um die Nutzerinnen und Nutzer des Betriebssystems ohne Rücksicht auf ihre Privatsphäre so weit wie möglich auszubeuten. Der große Witz dabei ist, dass man dafür auch noch bezahlen soll.

Ist Linux eine Alternative?

Das kann ich im Moment nicht wirklich beurteilen. Ich habe hier einen Testrechner, auf dem ich von Zeit zu Zeit verschiedene Linux-Distributionen ausprobiere. Aber das, was ich unter Linux abbilden muss, ist viel größer als funktionierende Audiotreiber. Aber ich habe ja noch bis Ende 2025 Zeit zum Testen.

Andere Alternativen?

Im Prinzip dann nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Eine Möglichkeit wäre ein Mac-Mini mit M2 Pro. Aber auch hier gibt es ein Ökosystem, das ich, freundlich ausgedrückt, bedenklich finde. Allerdings funktioniert die Audioproduktion auf diesen Rechnern sehr gut.

Mein Ziel ist es, zukünftig auf ein freies Betriebssystem zu setzen. Ob das für mich realisierbar ist, wird sich zeigen.

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