Erfrischend ruhig zur Fußball WM
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Heute beginnt ja die Fußball-WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA. Noch nie habe ich vor einer WM eine derart dröhnende Ruhe auf den Straßen wahrgenommen. Keine Fähnchen an Autos, keine Deutschlandflaggen, die aus Fenstern hängen, keine Menschenmassen mit Bier und Grillgut an den Supermarktkassen, einfach nichts!
Die Stimmung in Deutschland ist deutlich gedämpft und das vor allem wegen der politischen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Aber wohl auch wegen der katastrophalen Politik in unserem Land.
Der FIFA-Friedenspräsident im Weißen Haus bombardiert wieder den Iran, während die Behörde für Einwanderung und Zoll der Vereinigten Staaten immer noch Jagd auf Migranten macht und das ist wörtlich zu verstehen. Die Menschenrechtslage in den USA ist gelinde gesagt katastrophal. Hinzu kommen die verschärften Reise- und Einreisebeschränkungen. Fans aus dem Senegal und der Elfenbeinküste haben kaum Chancen, da für sie Touristenvisa weitgehend ausgesetzt wurden.
Ein prominentes Beispiel ist der aus dem Senegal stammende Schiedsrichter Omar Artan. Er durfte trotz eines gültigen Visums und einer FIFA-Akkreditierung nicht einreisen.
Wie schon erwähnt, führen die USA Krieg mit dem Iran. Ursprünglich sollte die iranische Fußballnationalmannschaft in den USA untergebracht werden, doch nun wurde das Quartier nach Tijuana (Mexiko) verlegt. Das Team darf nur kurz vor jedem Spiel in die USA einreisen und muss das Land direkt im Anschluss wieder verlassen. So eine Situation hat es meines Wissens bei einer Fußball-WM noch nie gegeben.
Hinzu kommt noch die Ungewissheit, ob Mannschaften und Besucher der Spiele, die in Mexiko stattfinden, überhaupt sicher sind. Dort finden gerade schlimme Kartellkriege statt, die auf den Straßen ausgetragen werden.
Und dann noch das Thema, über das anscheinend gar keiner mehr sprechen möchte: das Klima. Die Distanzen zwischen den Spielorten sind enorm, teilweise mehrere tausend Kilometer über drei Zeitzonen. Besonders in der K.-o.-Phase können lange Flüge anstehen. Da kann man sich doch nur noch an den Kopf fassen.
Ach ja, und aufgrund der dynamischen Ticketpreise ist die WM natürlich nichts für Menschen mit knappem Geldbeutel. Aber das passt ja zur FIFA und zu einem Land, in dem Kapital mehr zählt als Menschen. Aber davon sind wir in Europa auch nicht weit entfernt.
Es wird ja immer wieder betont, dass Politik im Sport nichts verloren hat. Aber diese Grenze hat die FIFA mit Gianni Infantino selbst überschritten, indem man eigens einen Friedenspreis für Donald Trump geschaffen hat. Einen Preis ohne humanistischen Wert, ein goldenes Kalb des kapitalistischen Wahnsinns.
Dass die Stimmung in Deutschland und auch in anderen Teilen der Welt deutlich gedämpft ist, ist nicht weiter verwunderlich. MAGA und Trumps Politik wirken auf mich wie ein zum Leben erweckter Horrorroman, in dem sektenähnlicher Wahnsinn Realität und Wissenschaft ersetzt hat.
Ich hoffe ja insgeheim, dass sich Giovanni Infantino nach der WM einen neuen Job suchen muss und Trump die Midterms krachend verliert.
In diesem Sinne: Gott segne Amerika und meinen Fernseher, der aus bleiben wird.